Viele unserer heutigen Gefühle kommen aus einem alten Teil in uns. Sie tauchen einfach auf, ohne dass wir sie bewusst wählen. Gefühle wie Unsicherheit, Scham oder das Bedürfnis, sich klein zu machen. Manchmal passen wir uns an, werden leise oder unsichtbar. Das geschieht nicht, weil mit uns etwas nicht stimmt. Es sind alte Schutzmuster aus unserer Kindheit, die noch heute wirken.
Wenn zum Beispiel eine Person in einer Umgebung aufgewachsen ist, in der bestimmte Meinungen, Eigenschaften oder Bedürfnisse weniger Raum hatten, kann sie früh gelernt haben:
– Meine Stimme zählt weniger.
– Ich sollte nicht zu viel Raum einnehmen.
– Es ist besser, angepasst oder unauffällig zu sein.
– Anerkennung bekomme ich eher, wenn ich mich zurückhalte.
Vielleicht hat diese Person erlebt, dass andere mehr Aufmerksamkeit, Freiheit oder Bestätigung bekamen. Solche Erfahrungen prägen uns tief – oft so tief, dass wir sie heute gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.
So entstehen innere Sätze wie:
– „Ich bin nicht so wichtig.“
– „Ich darf nicht zu viel Raum einnehmen.“
– „Ich muss mich anpassen, um geliebt zu werden.“
– „Andere sind wichtiger als ich.“
Diese Gedanken wirken im Hintergrund. Sie beeinflussen, wie wir fühlen und handeln. Vielleicht merken wir nur, dass wir uns klein fühlen, uns selbst anzweifeln oder unsere Bedürfnisse nicht aussprechen. Auch dann, wenn wir nach aussen stark wirken.
Diese Gefühle sind nicht falsch. Sie gehören zu einem inneren Teil von uns – zu unserem inneren Kind. Ein Teil, der damals gelernt hat, vorsichtig zu sein, um nicht verletzt zu werden.
Es ist, als würde dieser Teil sagen:
„Ich kenne diese Welt. Ich muss leise sein. Ich darf nicht zu viel sein.“
Und jedes Mal, wenn wir heute gesehen oder gehört werden könnten, meldet sich dieses alte Gefühl. Es will uns schützen – so, wie es das früher musste.
Heilung beginnt, wenn wir erkennen:
– Diese Reaktionen sind nicht unsere Wahrheit.
– Sie sind alte Muster.
– Muster aus einer Zeit, in der wir abhängig waren.
– Muster aus einer Umgebung, die uns klein gemacht hat.
Unser Selbstwert darf heute wachsen. Er darf lernen, dass wir wichtig sind. Nicht, weil wir etwas leisten. Sondern einfach, weil wir da sind. Und wir müssen diesen Weg nicht allein gehen. Wir dürfen ihn sanft gehen, Schritt für Schritt, in unserem eigenen Tempo.
Und wir dürfen unserem inneren Kind immer wieder sagen:
„Heute darfst du Raum haben.
Heute bist du wertvoll.
Heute darfst du gesehen werden.“