Trauma und Autoimmunerkrankungen – Wenn Körper und Nervensystem dauerhaft unter Stress stehen
Viele Menschen mit einer Autoimmun- oder chronisch-entzündlichen Erkrankung berichten von dem Gefühl, dass ihr Körper ständig kämpfen muss. Gleichzeitig tragen viele Betroffene eine lange Geschichte von belastenden Lebensereignissen, chronischem Stress oder traumatischen Erfahrungen in sich.
Die Frage, ob Trauma und Autoimmunerkrankungen zusammenhängen, wird heute intensiv erforscht. Die Antwort ist differenziert: Traumatische Erfahrungen verursachen keine Autoimmunerkrankung. Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand entstehen diese Erkrankungen durch das Zusammenspiel vieler Faktoren – unter anderem genetischer Veranlagung, hormoneller Einflüsse, Umweltfaktoren, Infektionen und einer veränderten Regulation des Immunsystems.
Chronischer Stress und unverarbeitete traumatische Erfahrungen können jedoch das Nervensystem und das Immunsystem nachhaltig beeinflussen und Entzündungsprozesse verstärken. Sie gelten daher als mögliche Risiko- oder Verstärkungsfaktoren – nicht als alleinige Ursache.
Wenn das Nervensystem dauerhaft im Alarmzustand bleibt..
Unser Nervensystem schützt uns in Gefahrensituationen. Nach traumatischen oder langanhaltend belastenden Erfahrungen gelingt es dem Körper jedoch manchmal nicht mehr, vollständig in einen Zustand von Sicherheit und Erholung zurückzufinden.
Die Stressachsen des Körpers bleiben aktiviert. Stresshormone werden dauerhaft ausgeschüttet, Entzündungsprozesse verändern sich und die feine Abstimmung zwischen Gehirn, Hormonsystem und Immunsystem gerät aus dem Gleichgewicht.
Die Psychoneuroimmunologie – ein wissenschaftliches Fachgebiet, das die Wechselwirkungen zwischen Psyche, Nervensystem, Hormonen und Immunsystem untersucht – zeigt immer deutlicher, wie eng diese Systeme miteinander verbunden sind.
Welche Erkrankungen können betroffen sein?
Die Forschung untersucht den Einfluss von chronischem Stress und traumatischen Erfahrungen unter anderem bei:
– Hashimoto-Thyreoiditis
– Morbus Basedow
– Rheumatoider Arthritis
– Systemischem Lupus erythematodes
– Multipler Sklerose
. Psoriasis (Schuppenflechte)
– Typ-1-Diabetes
– Sjögren-Syndrom
– Sklerodermie
– Autoimmunhepatitis
– Vitiligo (Weissfleckenkrankheit)
– Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall)
– sowie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Gerade bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa spricht die heutige Medizin von immunvermittelten chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Auch hier zeigt die Forschung, dass chronischer Stress und Traumafolgen den Krankheitsverlauf beeinflussen können.
Wichtig ist jedoch: Nicht jeder Mensch mit einer traumatischen Vergangenheit entwickelt eine Autoimmunerkrankung – und nicht jeder Mensch mit einer Autoimmunerkrankung hat ein Trauma erlebt.
Was sagt die Wissenschaft?
Grosse Studien zeigen, dass Menschen mit belastenden Kindheitserfahrungen (Adverse Childhood Experiences – ACEs) oder einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ein erhöhtes Risiko für verschiedene chronische Entzündungs- und Autoimmunerkrankungen haben können.
Dabei handelt es sich um statistische Zusammenhänge – nicht um einen Beweis dafür, dass Trauma die Erkrankung verursacht.
Ein möglicher biologischer Mechanismus ist die sogenannte Glukokortikoid-Resistenz. Dabei reagieren Immunzellen weniger empfindlich auf das körpereigene Stresshormon Cortisol, das normalerweise Entzündungen reguliert. Dadurch können Entzündungsprozesse länger bestehen bleiben und das Immunsystem aus dem Gleichgewicht geraten.
Warum Traumasensible Begleitung dennoch hilfreich sein kann..
Traumasensiblen Begleitung oder Traumatherapie ersetzt keine medizinische Behandlung einer Autoimmun- oder chronisch-entzündlichen Erkrankung. Sie kann jedoch eine wertvolle Ergänzung sein.
Wenn das Nervensystem wieder Sicherheit erlebt, können sich viele körperliche und emotionale Prozesse regulieren. Viele Betroffene berichten über:
– mehr innere Ruhe
– besseren Schlaf
– weniger Erschöpfung
– einen bewussteren Umgang mit Stress
– mehr Vertrauen in den eigenen Körper
– mehr Lebensqualität und Selbstfürsorge.
Das bedeutet nicht, dass eine Autoimmunerkrankung dadurch “verschwindet”. Doch ein reguliertes Nervensystem kann den Körper dabei unterstützen, besser mit Belastungen umzugehen und vorhandene Ressourcen zu stärken.
Mein Ansatz
Ich begleite Menschen mit traumatischen Erfahrungen, chronischem Stress und den Folgen einer dauerhaften Überlastung des Nervensystems auf ihrem Weg zurück zu mehr innerer Sicherheit.
In meiner Arbeit verbinde ich traumasensible Begleitung mit einem ganzheitlichen Blick auf Körper, Nervensystem und Psyche. Gemeinsam schaffen wir einen geschützten Raum, in dem Regulation, Selbstwahrnehmung und Vertrauen wieder wachsen dürfen. Denn Heilung bedeutet nicht, gegen den eigenen Körper zu kämpfen.
Heilung beginnt dort, wo wir lernen, die Sprache unseres Nervensystems zu verstehen, den Körper mit Mitgefühl zu begleiten und seine Fähigkeit zur Selbstregulation wieder zu unterstützen.
Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder medizinische Behandlung. Traumasensible Begleitung versteht sich als ergänzende Begleitung und arbeitet interdisziplinär mit der medizinischen Versorgung zusammen.

