Schocktrauma..
Ein Schocktrauma entsteht durch ein einzelnes, überwältigendes Ereignis, beispielsweise:
  • Verkehrsunfälle
  • körperliche oder sexuelle Gewalt
  • Krieg und Flucht
  • Naturkatastrophen
  • schwere medizinische Eingriffe
  • der plötzliche Verlust eines nahestehenden Menschen
In solchen Momenten schaltet das Nervensystem automatisch auf Überleben um – mit Kampf, Flucht oder Erstarrung. Diese Reaktionen sind lebensrettend. Kann das Nervensystem nach dem Ereignis jedoch nicht vollständig in Sicherheit zurückfinden, bleibt der Körper in Alarmbereitschaft, obwohl die Gefahr längst vorbei ist.


Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)..
Bei manchen Menschen entwickelt sich aus einem Schocktrauma eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).
Typische Symptome können sein:
  • Flashbacks oder das Gefühl, das Ereignis erneut zu erleben
  • Albträume und Schlafstörungen
  • Hypervigilanz (ständige innere Alarmbereitschaft)
  • starke Schreckhaftigkeit
  • Panikattacken
  • Konzentrationsprobleme
  • emotionale Taubheit oder das Gefühl, neben sich zu stehen
  • Vermeidungsverhalten
  • anhaltende Anspannung und Erschöpfung
Nicht jeder Mensch mit einem Trauma entwickelt eine PTBS. Traumafolgen können sehr unterschiedlich aussehen.


Entwicklungstrauma..
Nicht jedes Trauma entsteht durch ein einzelnes dramatisches Ereignis.
Entwicklungstrauma entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum – häufig bereits in der Kindheit. Es entsteht beispielsweise durch:
  • emotionale Vernachlässigung
  • fehlende Sicherheit und Geborgenheit
  • ständige Kritik oder Beschämung
  • unberechenbare oder emotional nicht verfügbare Bezugspersonen
  • mangelnde Co-Regulation
  • das Gefühl, nie wirklich gesehen oder angenommen worden zu sein
Diese Erfahrungen erscheinen oft “normal”, hinterlassen jedoch tiefe Spuren im Nervensystem.


Kleine Traumata ..
Auch viele kleine, wiederkehrende Erfahrungen können das Nervensystem nachhaltig prägen.
Dazu gehören beispielsweise:
  • ständiges Kritisieren
  • häufige Zurückweisung
  • Mobbing
  • Leistungsdruck
  • emotionale Abwertung
  • wiederholte Unsicherheit oder Ablehnung
Für sich allein mögen diese Erlebnisse harmlos erscheinen. In ihrer Summe können sie jedoch das Sicherheitsgefühl dauerhaft beeinträchtigen.

Trauma zeigt sich oft im Körper..
Trauma wird nicht nur erinnert – es wird häufig im Körper gespeichert. Deshalb zeigen sich Traumafolgen oft als körperliche Beschwerden, obwohl medizinisch keine ausreichende Erklärung gefunden wird.


Mögliche Symptome sind:
  • Herzrasen
  • Atemnot
  • Schwindel
  • chronische Muskelverspannungen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Migräne
  • Schlafstörungen
  • chronische Erschöpfung
  • diffuse Ängste
  • innere Unruhe
  • das Gefühl, nie wirklich entspannen zu können
Diese Reaktionen sind keine Einbildung. Sie sind Ausdruck eines Nervensystems, das gelernt hat, dauerhaft auf Gefahr vorbereitet zu sein.


Trauma ist nicht …
  • nicht einfach Stress
  • keine Charakterschwäche
  • kein Zeichen mangelnder Belastbarkeit
  • nicht immer an dramatischen Erlebnissen erkennbar
  • nicht nur eine psychische Belastung
Trauma betrifft den gesamten Menschen – Körper, Gehirn, Emotionen und Nervensystem.


Die gute Nachricht..
Das Nervensystem ist lernfähig.
Was einst eine sinnvolle Überlebensstrategie war, muss nicht ein Leben lang bestehen bleiben. Mit der richtigen Begleitung kann das Nervensystem neue Erfahrungen von Sicherheit machen, alte Schutzmechanismen Schritt für Schritt loslassen und wieder mehr Ruhe, Verbindung und Vertrauen entwickeln.


Heilung bedeutet nicht, die Vergangenheit ungeschehen zu machen. Heilung bedeutet, dass der Körper erkennt:


“Die Gefahr ist vorbei. Jetzt bin ich sicher.”